In diesem Blog erfährst du:

  • Was Deprivation ist
  • Welche Erfahrungen ich in den letzten Wochen und Monaten in meinen täglichen Beratungen zum Thema machen konnte
  • Welche Strategien möglich sind, um die persönliche Situation zu managen

Die Krise ist eine tiefgreifende Situation für alle Menschen. Klienten berichten von immer wiederkehrenden Gedanken und starken Veränderungen in ihrer Psyche.

Die psychische Deprivation (lat. deprivare – berauben) ist der Zustand eines Organismus, bei dem seelische Bedürfnisse ungenügend befriedigt werden. Verfeinerungen in der Theorie der psychischen Deprivation beinhalten folgende Differenzierung:

Bedürfnis nach Variabilität (Bedürfnis nach verschiedenen Stimulationsreizen – Menge, Intensität und Modalität), und einer fortlaufenden Stimulation (nicht zu verwechseln mit Dauerbeschallung oder ständigem Zocken am Computer😊).

Bedürfnis nach Stabilität (Wechsel der Geschehnisse nach einer Dauerstruktur, Ordnung oder Gesetzmäßigkeit, ganz besonders die Einordnung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft)

Bedürfnis nach „Abhängigkeit“ (Bezug zu Familie, Freunden usw., die zum Lebensfundament gehören und Menschen in der Außenwelt)

Bedürfnis nach Unabhängigkeit (die Gestaltung der eigenen Autonomie und Rollenidentität, z. B. Bin ich jetzt noch ein Sportler, wenn ich aktuell nicht trainiere oder kämpfe? Oder wer bin ich jetzt überhaupt?)

Ein Ausgleichsverhalten liegt normalerweise in unserer Natur. Wir lenken uns z.B. ab mit Essen, Alkohol, Zocken oder Shopping. Es gibt sicher noch weitere Möglichkeiten. Da wir um 21 Uhr zu Hause sein müssen, bleibt noch der Kühlschrank, die Yogamatte oder der PC zur Ablenkung. Es gibt aggressive Untertöne gegenüber unseren Liebsten, Shopping funktioniert nur im Online – Modus.  Freunde zu treffen, klappt mit nur diversen Einschränkungen. Eine freundschaftliche Umarmung ist selten geworden. Der Körper wird mit neu erworbenen Hanteln in Form gebracht und zum Abschluss des Tages steht immer ein Film auf dem Programm. Die Coronamaßnahmen bringen viele Einschränkungen mit sich: Kein Ausgehen, kein Kino, keine Partys, viel Mundschutz und wenig Frischluft, kein Wettkampf, kein Händeschütteln, kein Urlaub, kein…usw.) Frustration schlägt um in Aggression. Jeder Mensch hat unterschiedliche Toleranzen mit inneren Spannungen und Emotionen umzugehen. (Emotionsregulation)

Diese Kreisläufe spielen sich im Kopf ab und Tagesabläufe nehmen einen eigenen Lauf bzw. Kreislauf an.  Gedanken werden frei oder kreisen um spezifische oder gleiche Themen. (Tendenz zu Zwangsgedanken kann sich verstärken.)

  • Bin ich ok?
  • Wann werde ich meine Liebsten wiedersehen?
  • Wann kann ich wieder Sport treiben?
  • Sind meine Schwächen ok?
  • Ich fühle mich ohnmächtig?
  • Warum fühle ich mich ständig so seltsam oder antriebslos?
  • Was darf ich essen und was nicht? (Tendenz zu Essstörungen ist massiv angestiegen.)  

Gefühlsfacetten und Gedanken nehmen verschiedene Formen wie Gedankenschleifen, Gedankenspiralen, Knoten, Blockaden oder Gedankenlosigkeit an. Gedankengerüste entstehen oder zerfallen. Es sind viele Faktoren des Handelns oder des sportlichen Handelns reduziert oder ganz verschwunden. Der tägliche Adrenalinkick im Kampfsport bleibt aus und die Fußballstadien sind leer. Mit dem Verständnis dieses komplexen Zusammenhangs, stellt sich die Frage nach der Lösung bzw. Strategie. Kreative Momente werden zum Rettungsanker. Es fühlt sich an wie der „Geist aus der Flasche“. 😊

Ganz besonders für junge Menschen ist die aktuelle Situation eine enorme Herausforderung.  Die Rollenidentitätsfindung und der Bedarf nach Autonomie ist im vollen Gange und hat aber wenig Raum.   

Folgende Strategien habe ich im Laufe der gesamten Coronazeit praxisnah in Gesprächen herausgearbeitet:

  1. Sich selbst akzeptieren.
  2. Die kreisenden Gedanken aus der Distanz betrachten. – Das sind meine Gedanken und das bin ich. Es entstehen zwei verschiedenen Felder.
  3. Die Gedanken bleiben unbewertet.
  4. Mit den Liebsten über Gefühle und Gedanken sprechen.
  5. Toleranz üben, denn fast jedem geht es irgendwie nicht gut.
  6. Die Coronazeit als Chance für Veränderung akzeptieren.
  7. Das Bewußtsein für eigene Bedürfnisse schärfen und gegebenfalls modifizieren.
  8. Mehr Zeit mit der Familie oder Freunden verbringen. (Geteiltes Leid ist einfacher auszuhalten…)
  9. Einen Tagesplan für Schule oder Coronaalltag erstellen. Die Prioritäten zugunsten von Ausbildung, Schule oder Studium verschieben.
  10. Verstärkte theoretische Auseinandersetzung mit der eigenen Sportart.
  11. Eventuell E-Sport Wettkämpfe ausprobieren.
  12. Smartphone- Gebrauch und Social Media Interaktionen begrenzen.
  13. Positive Nachrichten konsumieren.
  14. Die Körperpflege bzw. Muskelpflege wie Faszientraining, Yoga, Stretching, Massage etc. ausbauen und optimale Relaxphasen gestalten.
  15. Viel Aufenthalt in der Natur anstreben, um Stress abzubauen.
  16. Gesundes Essen und zur Belohnung auch einmal eine „süße“ Sünde. 😊
  17. Ernährung mit wenig Kohlenhydraten bevorzugen.
  18. Ausreichend schlafen, aber nicht zu lange im Bett herumliegen.(Bettliegezeit)
  19. Die häusliche Umgebung ordnen und strukturieren.
  20. Ein neues Hobby entwickeln.
  21. Ein Tagebuch schreiben.

Tipp: Wer sich nicht mehr wohlfühlt, wiederholende schlechte Gedanken oder starke Zweifel an seinem Leben hat, darf sich Hilfe holen.

Melde dich dann bei einem Arzt, Psychotherapeuten, Psychologen, bei deinem Trainer, bei deinem Sportpsychologen, bei Deinen Eltern oder Freunden.

😊 Ich glaube an dich!

Alles Gute und viel Erfolg mit deinen persönlichen Zielen wünscht dir fitmitgrit.

Blog 86 – Wie du mit kreisenden Gedanken in der Krise umgehen kannst – Warum ein Ausgleich so schwer fällt?

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