Im letzten Blog ging es um die Ausprägung von Perfektionismus im Sport und wie er in Erscheinung tritt. Im zweiten Teil geht es hauptsächlich um mögliche Strategien und Einstellungen für eine  gesunde Verhaltensmodifikation.

  1. Wie sieht es mit dem Perfektionismus in anderen Sportarten aus?

„Owens und Slade maßen den Perfektionismus bei weiblichen Langläuferinnen. Bei 20% der Sportlerinnen wurde ein hoher Perfektionismus festgestellt. In einer Studie von Filaire et al., die das Essverhalten und den Perfektionismus bei männlichen Radsportlern und Judoka untersuchten, wurde herausgefunden, dass sie nicht perfektionistischer waren als die Kontrollgruppe, aber sie hatten negativere Empfindungen bezüglich ihres körperlichen Erscheinungsbildes und ihrer Zufriedenheit mit dem Körpergewicht. Stoeber et al. stellten außerdem fest, dass perfektionistische persönliche Standards für ein positives Ergebnis im Wettkampf bei Triathleten hilfreich sein können, da sie mit einer leistungsfördernden Zielsetzung verbunden sein können. Allerdings sollte man auch hier auf mögliche ungesunde Verhaltensweisen achten, die womöglich als Begleiterscheinung des Perfektionismus auftreten und bei Bedarf Gegenmaßnahmen, wie z.B. psychologische Beratung in Anspruch nehmen.“

 

  1. Wie kann Perfektionismus überwunden bzw. positiv eingesetzt werden, um die mentale Gesundheit im Sport zu fördern?

„Die folgenden Punkte können von Sportlerinnen und Sportlern, Schülerinnen und Schülern und auch ihren Betreuungspersonen (Trainerinnen, Trainer, Eltern, Experten etc.) eingesetzt werden.

Um Perfektionismus zu überwinden, bzw. so zu verändern, dass er positiv eingesetzt werden kann, empfiehlt es sich, zunächst die Selbstgespräche zu verändern. Dabei unterscheidet man zwischen dem „fixed-mindset“ Gespräch, das als ungesund gilt und dem „growth-mindset“ Gespräch, das als gesund gilt. Ein fixed-mindset sagt zum Beispiel Sätze, wie „Ich bin darin nicht gut“ oder „Was ist, wenn ich versage?“. Diese Sätze sollten umgewandelt werden zu growth-mindset Sätzen, wie z.B. „Ich weiß noch nicht, wie man das tut“ und „Ich kann mich immer weiter verbessern“. Außerdem sollten die Gedanken an Fehler aus der Vergangenheit nicht als Versagen interpretiert werden, sondern als Zeichen, dass man lernt und Indikatoren dafür, dass man seine Strategien verändern sollte oder mehr Einsatz zeigen muss. Ein weiterer Punkt ist es, persönliche Ziele umzugestalten. Man möchte Fortschritte machen, keine Perfektion. Zusätzlich sollte man versuchen, unwahrscheinlich hohe Erwartungen zu erkennen und realistisch anzupassen. Ein letzter Punkt für Trainerinnen und Trainer oder Eltern ist als positives Beispiel voranzugehen. Man sollte sich schwierigen Situationen stellen, Rückschläge erfahren, aus Fehlern lernen und es nochmal versuchen (Dr. Naecker in Macker 2018). Prof. Dr. Dirk Schwarzer empfiehlt speziell für Sportlerinnen und Sportler außerdem, dass sie hin zu der Erkenntnis arbeiten sollen, dass sie mehr als nur ihr Sport sind.“

 

Literaturverzeichnis:

Bieling, P., Israeli, A., Antony, M. (2004). Is perfectionism good, bad or both? Personality and Individual Differences. 36:6, 1373-1385.

Duffy, A. (2008). Perfectionism, Perfectionistic Self-Presentation, Body Comparisons, and Disordered Eating in Women’s Artistic Gymnastics. Masters Thesis. Graduate Faculty of Auburn University.

Filaire, E., Rouveix, M., Pannafieux, C., Ferrand, C. (2007). Eating Attitudes, Perfectionism and Body-esteem of Elite Male Judoists and Cyclists. Journal of Sports Science and Medicine. 6:1, 50-57.

Iranzo-Tatay, C., Gimeno-Clemente, N., Barberá-Fons, M., Rodriguez-Campayo, M., Rojo-Bofill, L., Livianos-Aldana, L., Beato-Fernandez, L., Vaz-Leal, F., Rojo-Moreno, L. (2015). Psychiatry Research. 230:3, 932-939.

Maker, A. (2018). The Perils of Perfectionism In Kids and Teens. Aspiring Families – Center for Mental Health and Training. Letzter Zugriff am 12.10.2021 unter https://aspiringfamilies.com/the-perils-of-perfectionism-on-kids-and-teens/

Nagel, M. (2003). Perfectionism, Mood States, and Disordered Eating in Female Athletes and Performers. Lampeter: The Edwin Mellen Press, Ltd.

Rice, K., Leever, B., Noggle, C., Lapsley, D. (2007). Perfectionism and depressive symptoms in early adolescent. Psychology in the Schools. 44:2, 139-156.

Schwarzer, D. (2020). Perfektionismus im Sport – Fluch oder Segen? Sport Heilbronn. Letzter Zugriff am 12.10.2021 unter https://sportheilbronn-magazin.de/perfektionismus-im-sport-fluch-oder-segen/

Stoeber, J., Rambo, A. (2007). Perfectionism in adolescent school students: Relations with motivation, achievement, and well-being. Personality and Individual Differences. 42:7, 1379- 1389.

Stoeber, J., Uphill, A., Hotham, S. (2009). Predicting Race Performance in Triathlon: The Role of Perfectionism, Achievement Goals, and Personal Goal Setting. Journal of Sport and Exercise Psychology. 31:2, 211-245.

Blog 93 – Perfektionismus im Sport/ Teil 2 – Fixed oder Growth Mindset?

Beitragsnavigation


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.