Viele Wettkämpfe wurden in den letzten Monaten abgesagt oder verschoben.

Im Podcast „Raus aus dem mentalen Coronaloch“ vom 22.3. 2020 für das Cyclingmagazine hatte ich mentale Grundtendenzen und Stimmungen am Anfang der Coronakrise beschrieben.

http://www.cyclingmagazine.de/2020/03/22/der-radsport-podcast-raus-aus-dem-mentalen-corona-loch/

Einige Tourdaten sind offiziell und die Wettkampfmotivation steigt und steigt. Im psychologischen Sinne ist haben sich Bedürfnisspannungen verstärkt, weil die „unterdrückten Bedürfnisse“ wie z.B. Freiheit, sozialer Anschluss, das Bedürfnis nach Struktur, Ordnung oder Autonomie wiederaufleben können. (in Anlehnung an Bedürfnis- und Motivationstheorie nach Murray)

Wer fast täglich auf dem Rad sitzt und vom Trainer eine radfreie Woche verordnet bekommt, kennt die sich aufbauende Bedürfnisspannung. Sehnsüchtig möchte man auf’s Rad steigen und das „Verbot“ führt zu mehr Freude und oft auch zu verbesserter Anschlussleistung. Eine einfache Methode, um neue Kraft, Energie und Motivation für das kommende Event anzuregen.

Doch für eine Topperformance reicht Motivation allein nicht aus. Deshalb möchte den Bereich der taktischen Aufgaben im Radsport mit dem heutigen Teil 1 umfassender beschreiben.

Eine taktische Maßnahme zu ergreifen hat zum Ziel, dass eigene sportliche Resultate verbessert oder Rekorde aufgestellt werden sollen. Sportler/innen stellen sich diese Frage vor fast jedem Wettkampf und es folgt die Anschlussfrage, welche Mittel und Wege zur Verfügung stehen? Es geht um das Treffen der passenden Entscheidungen. Schwierigkeiten, Hindernisse oder Besonderheiten werden vorausschauend überdacht. Das Aufstellen eines Taktikplanes ist deshalb eine kreativer Prozeß. Kreativität setzt Erfahrungs-, Informations- und Grundlagenwissen voraus. Das Hineindenken in die kommende Wettkampfsituation ist eine mentale Fertigkeit, die erfolgreiche Sportler/innen ausgebildet haben. Es geht um die Auswahl der Angriffsmethoden, der Täuschung des Gegners oder Konkurrenten und um  die  Reihenfolge von Aktionen, dem Variieren eigener Methoden sowie um   Taktikkombinationen, allein oder im Team. Die selektive Wahrnehmung vor dem Rennen sollte ebenfalls reflektiert, korrigiert bzw. modifiziert werden.

Die moderne Psychologie beschreibt diese Form als „Agiles Denken“. Bei Mannschaftswettkämpfen brauchen wir dementsprechend eine Form einer „agilen Teamtaktik“. Agile Denker im Team könnten weniger agile Denker im Team anleiten dürfen, um alle auf ein ähnliches Niveau zu führen. (Effektivitätsgrad)

Taktischen Aufgaben werden von denen am besten gelöst, die eine hohe Vorstellungskraft,  geistige Agilität (Beweglichkeit) und  „scharfes“ Denkvermögen in Kombination nutzen.

Die taktischen Aufgaben beginnen mit einer präzisen Planung der zufahrenden Strecke oder Tour. Die reine quantitative bzw. zahlenorientierte Erfassung mit Streckenlängen oder Höhenprofilen reicht im Profisport nicht aus.  Die Taktikplanung ist ein komplexer Prozess, in dem emotionale und volitionale (eine Entscheidung betreffend) Faktoren eine starke Rolle spielen. Die gute Taktikplanung löst ein verstärktes Selbstvertrauen und Sicherheitserleben vor dem Rennen aus. Umgekehrt lösen Zweifel, Unsicherheiten, Unklarheiten, z.B. einer komplexen Streckenführung, verstärkte Ängste im Vorfeld aus. Was kommt da auf mich zu? Welche Hindernisse muss ich meistern? Besonders Radsportler/innen mit verstärkten Wettkampfängsten, könnten über eine ausgefeilte Planung ihre mentale Power recht effektiv verstärken und sicherer in den Wettkampf starten.

Wiederholende komplizierte Aspekte im Radsport sind Bergfahrten, Kurven, besonders stark abfallende oder enge Kurven, steile Abfahrten, feuchte oder nasse Untergründe, Stürme und Sandstürme , Kopfsteinpflaster und größere Touren, die nicht ausreichend visualisiert bzw. imaginiert werden. Eine präzise Planung aller Teilaspekte im Vorfeld könnte Ängste reduzieren, die Willenskraft und Motivation steigern. Das Stärken – und Schwächen Profil sowie die Durchführung einer SWOT – Analyse könnten individuelle Abhilfen für  Radsportler/innen schaffen. Nachdem die Bedingungen analysiert worden sind, wird dann das Fahrerfeld in Augenschein genommen.

Im Teil 2 dieses Blog werde ich dann über die Lösung bzw. Umsetzung der taktischen Maßnahmen berichten.

Ich wünsche erst einmal allen viel Erfolg und Spass beim Taktieren. 😊

 

Deine fitmitgrit

Grit Moschke

Sportpsychologin im deutschen Spitzensport

Dipl.-Psychologin

Olympiastützpunkt Köln

 

Bei Fragen oder Anfragen kannst du mir eine E- Mail schreiben unter: grit@fitmitgrit.com

 

 

 

 

 

 

 

 

Blog 66 Taktische Wettkampfaufgaben für Radsportler/innen Teil 1

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