Mentaltraining wird schon lange im Leistungssport zur Verbesserung der Leistung im Training und Wettkampf ausgeübt. Dort wird es verwendet, um den Umgang mit Drucksituationen im Wettkampf zu verbessern und die Konzentrationsfähigkeit zu fördern. Doch warum sollte etwas, was im Leistungssport hilft, nicht auch Kinder im Leben weiterbringen können?

Leistungsdruck ist mittlerweile ein Problem in unserer Gesellschaft, dass schon Kinder und Jugendliche recht früh kennenlernen. Sei es Druck in der Schule, beim Sport oder beim Erlernen eines Musikinstruments – hohe Erwartungen an das Kind, Vergleiche mit anderen oder auch eigene Verwirklichungswünsche durch das Kind können bei so gut wie jeder Aktivität eine große Rolle spielen. Das einfache Dasein des Kindes und die Entfaltung der individuellen Persönlichkeitsfacetten ohne Maßstab bleiben oft auf der Strecke.

Damit Kinder und Jugendliche die sportlichen und alltagsbezogenen Belastungen gut managen können, ist es wichtig, dass sie bereits früh eine starke Persönlichkeit und ein gesundes Selbstbewusstsein entwickeln. Um das zu erreichen, wird mentales Training immer mehr für Kinder und Jugendliche empfohlen. Hier sind zwei Richtungen zu unterscheiden. Das klassische Vorstellungstraining zur Leistungsoptimierung und das Mentaltraining in Bezug zu mentaler Stärke, Persönlichkeitsentwicklung, Ausbildung des Selbstbewußtseins usw.

Beide Formen schließen aber die andere Form nicht aus und lassen sich kombinieren oder transformieren. 

Beim klassischen Mentaltraining im Sport stellt man sich gewünschte Resultate in Form von Bewegungen oder Bewegungsabläufen bildhaft vor. Die bildhafte Vorstellung kann mit einer hilfreichen Intention verknüpft werden.

Hier ein Beispiel aus der Praxis: „Eine Turnerin (10 Jahre alt) hat im Vergleich zu anderen gleichaltrigen Turnerinnen eine kleinere Körpergröße und dementsprechend kürzere Arme und Beine. Sie stellt dadurch ihre Kompetenzen in Frage und braucht mentale Unterstützung. Dieser Effekt ist übrigens sehr häufig zu beobachten.

Am Stufenbarren haben wir uns für lange “Affenarme“ entschieden und beim Sprung für einen „Leoparden“. Die Intention, ein Tier als Metapher für Kraft und Eleganz zu nutzen, hatte einen starken Anstieg der Selbstwirksamkeit (Hoffnung auf Erfolg) bewirkt. Diese Form wirkt ebenfalls bei Jugendlichen und Erwachsenen. 😊

(Radprofi:„Ich bin schnell wie ein Gepard.“) – Einfach tierisch drauf!!!! 😊

Um eine allgemeine mentale Stärke zu fördern, ist die realitätsgetreue Vorstellung einer Situation, die Kinder und Jugendliche ganz besonders gut durch ihre lebhafte Fantasie erzeugen können, eine wichtige Voraussetzung. Ist die Imagination eines Kraftortes oder Kraftbildes gelungen, kann es auch nach außen übertragen werden. Die Vorstellung ein Riese zu sein und die Verkörperlichung eines Riesen, lösen positive Effekte aus. (Embodiment).

Fast jeder kennt die Situation, dass etwas, was wir uns im Kopf nicht richtig vorstellen können, meistens nur schwer oder überhaupt nicht in der Wirklichkeit ausgeführt werden kann. Wenn wir uns hingegen eine Situation ganz besonders detailgetreu vor unserem inneren Auge ausmalen, ist sie eigentlich gar nicht mehr so schwer zu meistern. Wenn die Details mit verschiedenen Sinnen verknüpft werden wie z.B. der Riechsinn, Geschmackssinn, Hörsinn usw., wird die Visualisierung zur Imagination. Die Abbildung wird verinnerlicht und kann bei Bedarf schnell zur Verfügung gestellt werden.

Durch allgemeines mentales Training lernen die Kinder selbstbewusster zu sein und ein positives Selbstbild zu entwickeln. Sie schaffen es, Ängste und Schüchternheit leichter zu überwinden. Es hilft ihnen, Probleme leichter zu lösen, besser mit schwierigen Situationen oder auch den eigenen Gefühlen umzugehen und generell ihr inneres Gleichgewicht zu finden. Sie können besser entspannen und Stress leichter abbauen. Insgesamt bewirkt es eine bessere Konzentration und letztendlich sogar die Chance auf eine erfolgreichere Zukunft. Gerade im jungen Alter kann mentales Training besonders gute Effekte zeigen, da Kinder und Jugendliche – wie oben bereits beschrieben über eine sehr gute Vorstellungskraft und gute neuronale Plastizität verfügen. Sie sind affin und gut in der Lage, sich Dinge lebhaft auszumalen. Genau diese Fähigkeiten macht man sich beim mentalen Training zunutze und erzeugt damit besonders gute Effekte. Je früher diese Trainingsform, geübt und trainiert wird, umso besser wirkt sie. Phantasieren und vielfältiges kreatives Spiel bilden die beste Grundlage.

Um sein eigenes Kind mental zu stärken, ist es hilfreich, einige erzieherischen Maßnahmen zu kennen. Eine davon ist, dass man sein Kind genauso behandeln sollte, wie man selbst behandelt werden will. Dadurch vermeidet man es, dass das

Selbstbewusstsein des Kindes geschwächt wird und es an sich selbst zweifelt. Außerdem sollten Ängste und Sorgen des Kindes immer ernst genommen werden und ein offener Umgang ist empfehlenswert. Das Kind soll sich verstanden fühlen und lernen, über seine Probleme zu sprechen.

PS: Der Beginn von allgemeinem Mentaltraining kann bereits im Kindergartenalter erfolgen. Der Zeitpunkt für klassisches Mentaltraining kann ab dem 9. Lebensjahr beginnen, ist aber von der Entwicklung der kognitiven Fähigkeiten abhängig. Hier sollte vorher eine genauere Analyse durchgeführt werden bzw. eine explorative Phase vorgeschaltet sein.

Ein Beitrag von R. Hänisch und Grit Moschke (fitmitgrit)

 

Bei Fragen oder Anfragen schreibe mir eine PN  an: grit@fitmitgrit.com

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